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SV Bergheim

Ein Blick in die Erdgeschichte

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Ein Beitrag von Prof. Klaus Fischer.

Entstanden aus einer Sandgrube

Wo sich heute der Parkplatz der Mößmann-Sporthalle befindet und zuvor das alte Heim des Sportvereins Bergheim stand, existierte bis in die dreißiger Jahre eine Sandgrube. Beim Bau der Sporthalle wurde der Hang im Norden ebenfalls angeschnitten. In beiden Fällen war dadurch zeitweilig ein kleines erdgeschichtliches Fenster geöffnet, das einen Blick in den Entwicklungsgang des Zangenberges und des Wertachtales gestattete.

Dabei zeigte sich, daß der Langenberg in seinem Kern aus mergeligen bis reinen Sanden von feinem Korn (0,5 bis 0,1 mm) und von grünlicher beziehungsweise blaugrauer bis gelblicher Farbe besteht. Vorherrschend wird er aus Quarzkörnchen zusammengesetzt. Hinzu treten Glimmer, Feldspat, Hornblende, Granat, Epidot und andere Minerale. Dieser im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Flinz beziehungsweise Flinzsand bezeichnete Sand ist meist frei von Kalkkörnern. Nur bei Überlagerung durch Mergelschichten oder Lößauflagen trat durch Infiltration kalkhaltigen Wassers eine gewisse Verfestigung ein. Generell ist der Sand aber leicht grabbar, weshalb häufig Dachse und Füchse ihre Baue in ihm anlegen. In den Hanglagen bei Bergheim beziehungsweise gegen Wellenburg kann dies immer wieder beobachtet werden. Unter den Jägern wird der ausgeworfene Sand als Pfohsand bezeichnet, abgeleitet vom mittelhochdeutschen Wort vohe, was Fuchs beziehungsweise Füchsin bedeutet. In einer Reihe von Gruben, zum Beispiel am Weg nach Oberschönenfeld nahe des Waldrandes oder östlich des Maierberges, wurde früher der Sand gewonnen und zum Wegebau, als Mörtelzusatz, als Stuben- oder Fegsand zur Reinigung von Räumen oder von Zinn- und Kupfergeschirr verwendet.

In die Sande eingeschaltet sind Ton- und Mergellagen, die nur geringe hydraulische Leitfähigkeit (Durchlässigkeit) besitzen. Sie wirken deshalb wasserstauend und führen zu Hangvernässung und Quellaustritten wie im Bereich der Biotope des Oberfeldes südwestlich Bergheim. Die Legende, die sich in der Bevölkerung hartnäckig hält, es handele sich dabei um Schmutterwasser aus dem Westen, entbehrt jeder Grundlage, schon allein deshalb, weil die Schmutter auf tieferem Niveau fließt als die Wertach und das Wasser auf seinem Weg nach Osten um gut 15 m aufsteigen müsste. Vielmehr tritt hier Grund- beziehungsweise Sickerwasser aus dem großen Sedimentkörper unter dem Rauhen Forst randlich aus oder bewegt sich oberflächennah Richtung Wertach-Talboden. Das örtlich hohe Wasserangebot bereitet bei Baugründungen in diesen Ablagerungen nicht selten erhebliche Schwierigkeiten und hat in der geologischen Vergangenheit, als das Wertachtal bereits eingetieft war, auch zu beträchtlichen Materialbewegungen an den Hängen geführt. Nicht nur das unruhige, kleingegliederte Hangprofil, sondern auch mächtige Hangablagerungen belegen den Prozess.

Diese Deckenschichten enthalten als Anzeichen der Materialdurchmischung auch Bestandteile von Sedimenten aus höherer Position, zum Beispiel Gerölle oder Lößlehm und an die Stelle einer horizontalen Schichtung treten Verwürgungen. Diese Vorgänge fanden besonders während der Eiszeiten statt, als der Untergrund tief gefroren war, keine geschlossene Vegetation existierte und während oberflächennahen Auftauens im Sommer über dem gefrorenen Untergrund stark durchfeuchtetes Material hangabwärts in Bewegung geriet. Als Fachausdruck für diese Massenbewegung ist der Begriff Solifluktion, das heißt Erdfließen, eingeführt. Dieser Abtragungsprozeß war sehr leistungsfähig und hat maßgeblich an der Entstehung und Weiterbildung der Tälchen, die heute den Rand der Platte des Rauhen Forstes gliedern und meist Trockentälchen, also wasserlose sind, mitgewirkt.

Obere Süßwasser-Molasse

Aufgrund des Mineralbestandes der Sande kommen als ihr Liefergebiet nur die Alpen in Frage. Von dort wurden sie durch Flüsse verfrachtet und im Vorland abgelagert. Das ist an ihrer Schichtung erkennbar: nahezu horizontale oder partienweise, als Kreuz oder Schrägschichtung, wie sie bei Richtungsänderung, dem Hin- und Herpendeln des fließenden Wassers entsteht. Da diese Ablagerungen durch Zerund Verkleinerung aus grobem Abtragungsschutt der Alpen hervorgegangen sind und von Flüssen deponiert wurden, nennt man sie Süßwasser-Molasse (genau Obere Süßwasser-Molasse), was aus dem Lateinischen abgeleitet, Mahl- oder Schleifstein beziehungsweise „weicher Sandstein" bedeutet. Spärliche Fossilreste, die an verschiedenen Stellen im Alpenvorland geborgen wurden, erlauben eine Alterseinstufung in den Zeitraum von 15 bis 10 Millionen Jahre vor heute. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist das ein Teil des Jungtertiärs, speziell sind es die Stufen Baden (Torton) und Sarmat.

In einer Höhe von 534 m wurde beziehungsweise wird die Obere Süßwasser-Molasse in den ehemaligen Aufschlüssen an der Mößmann-Sporthalle von stark verfestigtem, gut geschichteten und gut sortierten Schottern überlagert. Diese Konglomerate, auch Nagelfluh genannt, bestehen nahezu vollständig aus Material der Nördlichen Kalkalpen. Im oberen Teil sind sie 2 bis 3 m tief verwittert und zerfallen leicht beim Anschlagen. Durch den Abbau des darunter liegenden Sandes verloren die Nagelfluhbänke ihr Widerlager und brachen in großen Blöcken ab. Am Grunde der Grube wurden diese Blöcke aufgearbeitet und das zerkleinerte Material zum Wegebau verwendet.

Die Konglomerate stammen, wie wir von anderen Orten wissen, aus der Biber- oder den Donau-Kaltzeiten, also dem Eiszeitalter, das auch Quartär oder Pleistozän genannt wird. Sie sind demnach entweder 2,4 bis 2,1 oder 1,6 bis 1,3 Millionen Jahre alt und damit deutlich jünger als die unterlagernden Sande. Zwischen den beiden so verschiedenen Ablagerungen besteht also eine Schichtlücke von rund 8 bis 10 Millionen Jahren! Was sich in diesem Zeitraum in unserem Gebiet ereignete, ist nicht mehr rekonstruierbar. Jedenfalls stellt die heutige Obergrenze des Tertiärs nicht die ursprüngliche Oberfläche dar, die sich mit Abschluss der Schüttung der Sande der Oberen Süßwasser-Molasse gebildet hatte. Bis zum Einsetzen der Aufschüttung im Eiszeitalter lagen lange Zeiträume, während derer die Landoberfläche abgetragen, also tiefer gelegt wurde. Die eiszeitlichen Schotter gelangten dann in einem überaus geräumigen Tal zur Ablagerung. Es hatte eine beachtliche Breite von einigen Kilometern und der Langenberg sowie das gesamte Gebiet des Rauhen Forstes war in dieser Zeit kein Hochgebiet, sondern Talboden. Im Laufe der weiteren Taleintiefung sind sie jedoch als flache Höhenzüge herauspräpariert worden und tragen deckenartig die erwähnten Schotter beziehungsweise Konglomerate. Diese werden deshalb als Deckenschotter bezeichnet. Nähere Betrachtung zeigt, daß sie hauptsächlich aus kalkigen, kieseligen (37 beziehungsweise 55%) sowie aus Quarz(5%) und Kristallingeröllen (3%) bestehen. Diese Zusammensetzung weist die Schotter als Ablagerungen einer Ur-Iller aus, nicht einer Ur-Wertach oder eines Ur-Lechs, wie man aufgrund des heutigen Gewässernetzes annehmen könnte.

Terrassenlandschaft

Wie erwähnt, wurden die Deckenschotter infolge Taleintiefung zerschnitten und in einzelne Platten (zum Beispiel Stauden) oder Höhenzüge aufgelöst. Dieser Vorgang vollzog sich allerdings nicht kontinuierlich sondern in Einschneidungsphasen gegen Ende einer Kaltzeit oder Eiszeit. Wiederaufschüttungsphasen jeweils zu Beginn der nächstfolgenden (jüngeren) Kalt- oder Eiszeit, die allerdings nicht mehr die Höhenlage früherer Aufschüttungsperioden erreichten, folgten. So entstand eine Terrassenlandschaft, von der sich jedoch im Gebiet um Bergheim keine sicheren Reste mehr erhalten haben. Dagegen sind ausgedehnte Relikte östlich Göggingen - Inningen - Bobingen als sogenannte Augsburger Hochterrasse überliefert. Der Schotterkörper dieser Terrasse wurde während der Rißeiszeit vor 300.000 bis 110.000 Jahren durch Schmelzwässer des Loisach-Ammer- und des Lech-Vorlandgletschers aufgebaut. Der Loisach-Ammer-Vorlandgletscher reichte östlich des heutigen Lechs bis Merching. Die Riß-Terrassen- oder Hochterrassen-Schotter sind also gletschernah abgelagert worden. Daher rührt auch die Bezeichnung fluvioglaziale Schotter, eben durch Schmelzwasser der Gletscher transportierte Kiese. Entsprechend der Herkunft des Eises stammen die Gerölle überwiegend aus den Nördlichen Kalkalpen.

Die Terrasse ist markant ausgebildet; sie grenzt mit einem nicht allzu hohen (um 10 m), aber steilen Rand gegen tieferes Gelände im Westen und Osten. Überdeckt werden die Rißschotter von einer bis zu 5 m mächtigen Lößdecke. Diese entstand während der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, als das nichtvergletscherte Alpenvorland wegen des periglazialen oder eisrandnahen Klimas kaum beziehungsweise nur schütter von niederwüchsiger Vegetation (Zwergsträucher, Gräser, Flechten, Moose) bedeckt war und der Wind Feinmaterial aufnehmen und über teilweise beträchtliche Entfernung in östlichen Richtungen verwehen und ablagern konnte. Der Löß stammt also aus westlich gelegenen Gebieten, vornehmlich zeitweise trockenfallenden, breiten Flussbetten. Ungleichmäßige Ablagerungen der äolischen Sedimente hat zur Ausbildung einer leicht bewegten Oberfläche geführt.

Der würmzeitliche Löß, vor etwa 50.000 bis 15.000 Jahren gebildet, ist inzwischen zu Lößlehm verwittert. Als wertvolles Ausgangsmaterial für die Ziegelherstellung wurde er in mehreren Ziegeleien, so in Göggingen, Inningen oder südlich Bobingen abgebaut. Als Substrat für die spät- und nacheiszeitliche Bodenbildung hat er zur Entwicklung von Böden mit hoher Bodenzahl, die ein ungefähres Maß für die Ertragsfähigkeit ist, geführt. Die Hochterrasse ist daher ein landwirtschaftlich wertvolles und bevorzugtes Gebiet, das vor nichtlandwirtschaftlichen Nutzungen nach Möglichkeit verschont werden sollte.

Blick aufs Wertachtal

Eintiefung und Ausräumung hat schließlich zur Entstehung der jüngsten Form, dem heutigen Wertachtal, geführt. Seine Talsohle wird von alluvialen, das heißt angeschwemmten Sedimenten gebildet. Es sind meist umgelagerte und bis zu 4 oder 5 m mächtige Schotter beziehungsweise Kiese aus der Würmeiszeit. Örtlich werden sie von fein- und feinstkörnigen Decksichten, wie Hochflut-Sanden, -Lehmen oder -Mergeln überlagert. All das beweist, daß die Wertach auf einer Breite von 4 bis 5 km vielfach ihr Bett verlagerte und erst im letzten Jahrhundert durch Begradigung festgelegt werden konnte. Der hohe Grundwasserstand in den alluvialen Sedimenten führte verbreitet zur Anmoorbildung. Die dunkle, oft schwarze Bodenfarbe belegt diesen Vorgang. Aus dem gleichen Grund ist die dominante Nutzung die des Grünlandes (Diebelwiesen).

Für die Erfassung der skizzierten Entwicklung des Gebietes im Umkreis von Bergheim bietet der Standort Mößmann-Sporthalle von der Hanglage aus und mit dem weiten Blick in östlicher Richtung eine ideale Position und mit etwas Vorstellungskraft von Seiten des Betrachters gewinnt der Raum eine Dynamik, die über menschliche Zeiträume hinausreicht.

Literatur: Schaefer, Ingo: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Augsburg und Umgebung 1:50.000, München 1957

Die Terrasse ist markant ausgebildet; sie grenzt mit einem nicht allzu hohen (um 10 m), aber steilen Rand gegen tieferes Gelände imWesten und Osten. Überdeckt werden die Rißschotter von einer bis zu 5 m mächtigen Lößdecke. Diese entstand während der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, als das nichtvergletscherte Alpenvorland wegen des periglazialen oder eisrandnahen Klimas kaum beziehungsweise nur schütter von niederwüchsiger Vegetation (Zwergsträucher, Gräser, Flechten, Moose) bedeckt war und der Wind Feinmaterial aufnehmen und über teilweise beträchtliche Entfernung in östlichen Richtungen verwehen und ablagern konnte. Der Löß stammt also aus westlich gelegenen Gebieten, vornehmlich zeitweise trockenfallenden, breiten Flußbetten. Ungleichmäßige Ablagerungen der äolischen Sedimente hat zur Ausbildung einer leicht bewegten Oberfläche geführt.

Der würmzeitliche Löß, vor etwa 50.000 bis 15.000 Jahren gebildet, ist inzwischen zu Lößlehm verwittert. Als wertvolles Ausgangsmaterial für die Ziegelherstellung wurde er in mehreren Ziegeleien, so in Göggingen, Inningen oder südlich Bobingen abgebaut. Als Substrat für die spät- und nacheiszeitliche Bodenbildung hat er zur Entwicklung von Böden mit hoher Bodenzahl, die ein ungefähres Maß für die Ertragsfähigkeit ist, geführt. Die Hochterrasse ist daher ein landwirtschaftlich wertvolles und bevorzugtes Gebiet, das vor nichtlandwirtschaftlichen Nutzungen nach Möglichkeit verschont werden sollte.

Eintiefung und Ausräumung hat schließlich zur Entstehung der jüngsten Form, dem heutigen Wertachtal, geführt. Seine Talsohle wird von alluvialen, das heißt angeschwemmten Sedimenten gebildet. Es sind meist umgelagerte und bis zu 4 oder 5 m mächtige Schotter beziehungsweise Kiese aus der Würmeiszeit. Örtlich werden sie von fein- und feinstkörnigen Decksichten, wie Hochflut-Sanden, -Lehmen oder -Mergeln überlagert. All das beweist, daß die Wertach auf einer Breite von 4 bis 5 km vielfach ihr Bett verlagerte und erst im letzten Jahrhundert durch Begradigung festgelegt werden konnte. Der hohe Grundwasserstand in den alluvialen Sedimenten führte verbreitet zur Anmoorbildung. Die dunkle, oft schwarze Bodenfarbe belegt diesen Vorgang. Aus dem gleichen Grund ist die dominante Nutzung die des Grünlandes (Diebelwiesen).

Für die Erfassung der skizzierten Entwicklung des Gebietes im Umkreis von Bergheim bietet der Standort Mößmann-Sporthalle von der Hanglage aus und mit dem weiten Blick in östlicher Richtung eine ideale Position und mit etwas Vorstellungskraft von Seiten des Betrachters gewinnt der Raum eine Dynamik, die über menschliche Zeiträume hinausreicht.

Literatur: Schaefer, Ingo: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Augsburg und Umgebung 1:50.000, München 1957 Querprofil durch das Tal der Wertach.

Bilder

 Das Wertachtal - Zeichnung
Der Langenberg von Südosten
Standort der Mößmann Halle

 

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