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SV Bergheim

Franz Xaver Mößmann und sein Vermächtnis

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Ein einfacher und fleißiger Handwerksmann ist in die Geschichte von Bergheim eingegangen. Selbst aus armen Verhältnissen stammend, machte er aus der Not eine Tugend und errichtete eine Wohltätigkeitsstiftung zur Förderung und Ausbildung der Jugend von Bergheim. Mit der Weitsicht und dem Engagement verschrieb er sich der Sorge - die uns auch heute bewegt - die Ausbildung unserer Jugend. Selbst am eigenen Leibe verspürt, erkannte er wohl die Gefahren die dahinter stehen, wenn die jungen Leute nicht oder nicht rechtzeitig in das tägliche Arbeitsleben einbezogen werden.

Wenn es damals die selbst zu tragenden Kosten waren, nämlich das Lehrgeld, das die Eltern aufzubringen hatten, so sind es heute die fehlenden Ausbildungsplätze. Wollen wir in seinen Lebensweg einen kurzen Blick werfen.

Weit reichen die Vorfahren von Franz Xaver Mößmann zurück. Bereits in der Urbar der Herrschaft von Wellenburg von 1583 taucht der Name Georg Meßwang auf. In den Kirchenbüchern von Bergheim sind uns Georg Mößmann und seine Frau Barbara niedergeschrieben, die am 3. August 1714 die Geburt ihres vierten Kindes, nämlich Franz Xaver, registrieren ließen. Drei Geschwister folgten noch nach.

Das Geburtshaus trug nach dem alten Hausnummernverzeichnis die Nummer 34, befand sich in der jetzigen Oberschönenfelder Straße Nr. 8 und wurde vom derzeitigen Grundstücksbesitzer im Jahre 1958 abgebrochen.

Geburtshaus von Franz Xaver Mößmann

Zeitig mussten die Heranwachsenden aus dem viel zu kleinen Hause, um sich ihr Brot selber zu verdienen. Franz Xaver erlernte das ehrbare Bäckerhandwerk und brachte es bis zum hochfürstlichen Augsburgischen Hofbäcker.

Vielleicht wurde damals in der Zeit seiner Lehre der Gedanke geboren, es einem Lernenden leichter zu machen, indem man ihn für das seinerzeit zu bezahlende Lehrgeld unterstützen sollte.
Am 23. Juli 1743 vermählte sich Franz Xaver mit Maria Anna Braunmillerin aus Augsburg, im Hohen Dom, als seiner zuständigen Pfarrei. Seine Wohnung hatte er zu diesem Zeitpunkt schon in Augsburg mit der Adresse C24 (heute Karolinenstraße 12, Cafe Bader), wo er seine Bäckerei betrieb. Im Jahre 1745 hatte er bereits seinen festen Platz in der Liste der 89 selbständigen Bäckermeister der Stadt Augsburg. Als Hoflieferant bei dem damaligen Fürstbischof Clemens Wenzislaus (übrigens dem letzten Fürstbischof in Augsburg), konnte er sich als „Hochfürstlicher Hofbäcker" bezeichnen. Alle Geschäftsleute, die den Vorzug hatten Hoflieferant zu sein, waren auch sehr angesehene Bürger.

Dass es Franz Xaver Mößmann durch seinen Fleiß und seine Sparsamkeit zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hat, beweisen die Akten, in denen zu lesen ist, daß er 1760 in seinem Geburtsort, den er in all den Jahren nicht vergessen hat, mit einer Summe von 3000 Gulden die Gefälle des Höflein-Hofes mit einer Größe von 13 Jauchert oder 14,09 Tagwerk erworben hat.

Am 17. Oktober 1781 ist seine Frau, er nannte sie Marianna, gestorben und wurde im Katholischen Friedhof an der Hermanstraße begraben.

Nachdem die Ehe von Franz Xaver Mößmann kinderlos blieb, wollte er im Jahre 1799, nun bereits 85-jährig, seinen Nachlass in Ordnung bringen. Die Einkünfte seines Besitzes in Bergheim sollten künftig einer Stiftung zugute kommen. Von der Fugger'schen Verwaltung erbat er sich dazu die Genehmigung. Als ihm die Beamten Schwierigkeiten bereiteten, war es schließlich Graf Anselm Maria Fugger selber, der ihm die Genehmigung erteilte.
So kam es zu der am 30. Mai 1799 ausgefertigten und heute noch gültigen Stiftung, deren Zweck mit einem Satz umrissen wird:

"Frommes Vermächtnis, zu Gunsten der in Bergheim befindlichen armen Knaben, zur Erlernung eines Handwerks, oder zu studieren, detto einer Tugendhaften armen Tochter von Bergheim als Jungfrauengeld"

In neun Punkten legte der Stifter genauestens fest, wie der Erlös aus diesen Grundstücken, nämlich die Pachtgelder, in Höhe von „Vierzig drey Gulden, zwanzig Kreuzer" anzulegen sind.

Eine kleine Anerkennung hat sich der fromme Stifter allerdings von den künftigen Stipendiaten ausgenommen, indem er schreibt: „Ich will und verbinde derley Stipendiaten, daß er die Zeit der Lehrjahre täglich für mich und alle die Meinigen zu Ehren der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit, drey Vaterunser und drey Ave Maria, samt soviel Gloria Patri verrichten solle, nach diesen Lehrjahren aber täglich zum Trost der armen Seelen, solange er lebt, doch ohne Gewissensverbindlichkeit ein heiliges Vaterunser und Ave Maria zum Gedächtnis meiner als seines gewogenen Gutthäters verrichten solle."

Unter Aufdrückung seines Pettschaftes (Siegels) wurde die Urkunde von ihm und vier Zeugen unterzeichnet und auch mit deren Siegel versehen.

Am 26. Juni 1799 wurde vom Fugger'schen Pflegamt Wellenburg, die Bestätigung von Graf Anselm Maria Fugger höchstpersönlich unterzeichnet. Die „Kaiser-königlich Vorderösterreichische Landesregierung" als der obersten Behörde, segnete die Urkunde schließlich am 14. Oktober 1799 ab.

In einem Schreiben vom 6. Juni 1799 bedankte sich Graf Anselm Maria Fugger im Namen der „Untertanen" von Bergheim, für die großzügige Stiftung, die Mößmann zu Gunsten der armen Knaben gemacht hat.

Ein Jahr vor seinem Tode ersuchte Mößmann die Herren Beamten zu Wellenburg, die jeweiligen Bestandsübernehmer (Pächter) zu „durchforschen", ob sie in der Lage sind, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Vielleicht spricht auch daraus die Not jener Zeit, in der die Pächter der Grundstücke ihre Pacht nicht immer rechtzeitig bezahlten.

Am 6. September 1807 erhielt der Pfarrer von Bergheim vom Fugger'schen Pflegamt Wellenburg die Nachricht vom Tode von Franz Xaver Mößmann mit folgendem Schreiben:

„Pro Memoria"
„Da der gestern Morgens 7 Uhr erfolgte Hintritt des Hochfürstlich Augsburgisch Resignierten Hofbäckers Xaver Mößmann dem allhiesigen Pflegamt mittel förmlichen Trauerschreibens insiniret worden, und derselbe hinsichtlich einer Zugunsten seines Geburtsortes Bergheim für dortig arme Knaben oder Mädchen gemacht ansehnlichen Stiftung sowohl als der in dortigen Pfarrkirche zum Geschenk überlassenen heiligen Reliquien und sonstiger Präsenten als ein wahrer Gutthäter für selbe Gemeinde anzusehen und zu erkennen ist.
So wäre Endergesetzter der unmaßgeblichen Meinung, daß es anständig und löblich seyn dürfte, dessen Todtfall in dortiger Kirche zu dem Ende zu verkünden, damit manche dankbaren Pfarrkinder etwa dessen Leichenbegängniß mit ihrer Begleitung zu beehren. Die übrigen aber sein Andenken in ihrem Gebet einschließen könnten.

Wöllenburg den 6.ten September 1807
(Unterschrift)
Pfleger

Der Eintrag im Matrikelbuch der Dompfarrei lautet: „Gestorben an Alter und Entkräftung, 94 Jahre, versehen mit den Sterbesakramenten."

Franz Xaver Mößmann wurde am 7. September 1807 im Katholischen Friedhof an der Hermanstraße neben seiner Gattin begraben.

- Gg. Kuhn -

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